Harnsteine

Wenn es nicht mehr fließt – Teil 1: Harnsteine beim Hund


Schmerzen beim Harnabsatz, Blut im Urin, schlimmstenfalls die Verlegung der Harnwege – Harngrieß und Harnsteine können zu sehr unangenehmen Folgen führen. Urolithiasis ist der medizinische Fachbegriff dafür, wenn sich im Urin Ablagerungen bilden und schließlich immer weiter anwachsen, bis sie zu einem massiven Störfaktor werden.

Auch beim Hund gehören sie zu den häufigeren Krankheitsbildern. Sowohl die Fütterung als auch Harnwegsinfektionen können bei der Entstehung eine große Rolle spielen. Manche Rassen haben eine Prädisposition für bestimmte Arten von Harnsteinen, so z. B. Dalmatiner für Uratsteine oder Neufundländer, Labrador Retriever, Mastiff und Irischer Terrier für Cystinkristalle im Urin (= Cystinurie). Bei diesen Rassen sollte schon prophylaktisch auf eine entsprechende Diät geachtet werden.

 

Arten von Harnsteinen

Die häufigste beim Hund vorkommende Art sind Struvitkristalle, sie machen 59 % der Fälle aus. Es handelt sich hierbei um Magnesium-Ammonium-Phosphat-Steine. Die Kristalle haben unter dem Mikroskop eine so genannte „Sargdeckelform“ (siehe Bild ganz rechts), die Steine selbst sind rundlich-glatt und weiß-gelblich. An zweiter Stelle stehen Calcium-Oxalat-Kristalle, sie treten in 28 % der Fälle auf. Hier kann man unter dem Mikroskop zwei Kristallformen ausmachen: briefkuvert-artig (Weddellit) und hantelförmig (Whewellit). Die Steine sind rund-höckerig oder scharfkantig und haben eine bräunliche Farbe.

 

Harnsteine_Kristallformen

Ammonium-Urat-, Calcium-Oxalat und Struvit-Kristalle
Entnommen aus: Suter/Kohn (Hrsg.), Praktikum der Hundeklinik

 

Seltener treten Cystin- und Uratkristalle auf. Cystinsteine machen 8 % der Steine beim Hund aus (häufig sind auch Dackel betroffen). Die Kristalle haben eine charakteristische 6-eckige Form, die Steine sind kugelig und fest und haben eine honiggelbe bis rotbraune Farbe. Die Oberfläche ist weich und speckig. Ammonium-Uratsteine treten in rund 5 % der Fälle auf. Es handelt sich dabei um Harnsäuresteine, die dadurch entstehen, dass die Harnsäure nicht vollständig bis zum Allantoin abgebaut wird. Die Kristalle sehen braunrot, kugelig und radialstrahlig aus, die Steine treten meist zahlreich grießartig auf, sind klein, rund und glatt und haben eine gelbe bis braune Farbe.

Weitere Bilder der Kristallformen gibt es hier.

 

Symptome

Meist zeigen sich Steinleiden beim Hund durch Harnabsatzstörungen. Häufiges Absetzen von kleinen Mengen Urin (Pollakisurie, Strangurie) und erschwerter oder schmerzhafter Urinabsatz (Dysurie) sind oft erste Anzeichen dafür, dass da etwas nicht stimmt. Eine ähnliche Symptomatik findet man meist auch bei Blasenentzündungen. Beides tritt häufig auch zusammen auf, vor allem bei Struvitsteinen, weil die Bakterien, die bei einer Blasenentzündung vorliegen, den Urin eher basisch machen. In schwereren Fällen kommt es zur (fast) kompletten Verlegung der Harnröhre oder des Blasenausgangs, so dass so gut wie kein Urin mehr abgesetzt werden kann. Davon sind in der Regel nur Rüden betroffen, weil die eine längere und gebogen verlaufende Harnröhre haben.

Manchmal sind Harnsteine auch ein Zufallsbefund bei Röntgenaufnahmen des Bauchraums.

 

Diagnose

Im Urin lassen sich unter dem Mikroskop die Kristalle erkennen. Zusätzlich findet sich meist auch sichtbar oder nur über den Urinstick bzw. das Labor nachweisbar Blut im Urin. Der pH-Wert des Urins kann schon erste Hinweise auf die Art der Kristalle geben. Beim Tierarzt können zusätzlich Röntgen- oder Ultraschallaufnahmen zur Diagnosesicherung hinzugezogen werden.

 

Behandlung von Harngrieß und Harnsteinen

Auf die Behandlung von Harngrieß und Harnsteinen wird detaillierter in Teil 3 eingegangen. Sie ist grundsätzlich abhängig von der Symptomatik und Schwere der Erkrankung. Häufig lässt sich schon über die Fütterung ein positiver Effekt erzielen. Haben sich bereits Steine gebildet, die die Blase reizen oder auch die Harnwege verlegen können, muss oft operiert werden. Auch bei einem Zufallsbefund ist eine Behandlung anzuraten, weil die Kristalle bzw. die Harnsteine langfristig die Blase reizen und natürlich auch zu einem späteren Zeitpunkt die Gefahr einer Verlegung der Harnröhre besteht.