Blutegel

Ekel vor dem Blutegel?


„Wie wäre es, wenn wir einen Blutegel ansetzen?“ Erwähnt man als Therapeutin die Option, mit der Blutegeltherapie zu arbeiten, kommt es häufig zu verzogenen Gesichtern, Lautäußerungen, die Ekel ausdrücken oder zumindest skeptischen Blicken. ‚Meint die das wirklich ernst?‘, scheinen die Tierhalter da teilweise zu denken.

Bei diesen Reaktionen spielen sicher mehrere Gründe eine Rolle. Hat man als Kind noch unbedarft fast alles angefasst, ist einem schon bald beigebracht worden, dass manche Sachen eklig sind. Dazu gehören vor allem Spinnen, Schlangen, Würmer oder auch Nacktschnecken, an die sich manche vielleicht beim Anblick eines Blutegels erinnert fühlen. Hinzu kommt, dass sie sich festsaugen, durch die Haut ritzen und dann Blut saugen. Wenn das nicht eklig ist! Und dann ist da noch die Erinnerung an die Zeiten, wo die Medizin noch der Säftelehre folgte und durch den massiven und exzessiven Einsatz von Blutegeln tatsächlich Menschenleben gefährdet hat…

Blutegel als Heiler

Doch der Einsatz der Blutegel hat in der Medizin wie auch der alternativen Tiermedizin inzwischen wieder einen festen Platz. Sie sind wunderbare Heiler, insbesondere für Probleme im Bewegungsapparat wie Arthritis/Arthrosen, Hüftgelenks- oder Ellenbogendysplasie, Sehnenerkrankungen oder auch Bandscheibenvorfälle. Beim Saugakt geben sie Speichel in die Biss-Stelle ab – in diesem sind zahlreiche Enzyme enthalten, die schmerzlindernd, entzündungshemmend, durchblutungsfördernd und gerinnungshemmend wirken. Darüber hinaus werden durch den Saugakt und das anschließende Nachbluten auch Entzündungsstoffe und „Schlacken“ aus dem Gewebe abtransportiert, und die Region wird wieder besser durchblutet. Das Ganze wirkt auch wie ein „Mikroaderlass“, bei Hunden kann die Therapie mit Blutegeln damit auch einen verjüngend wirkenden Effekt haben.

Oft lässt sich durch den Einsatz der Blutegel eine langfristige Schmerzfreiheit erreichen – eine gute Alternative zur häufigen Gabe von Schmerzmitteln. Die Beweglichkeit wird wieder besser, die Lebensqualität des Tiers steigt.

Und was ist mit dem Ekelfaktor?

Nimmt man sich einmal die Zeit und beobachtet Blutegel, wie sie im Glas oder im Aquarium schwimmen, so erkennt man auch die ihnen eigene Schönheit. Der medizinische Blutegel ist farbig gemustert, und wenn er schwimmt, schlängelt er sich elegant durchs Wasser. Daher kommt übrigens auch sein Name: Das griechische „echis“ bedeutet „kleine Schlange“ (auch wenn die Egel zu den Würmern gehören). Sie sind sehr sensibel und reagieren außerordentlich empfindlich auf Temperaturschwankungen, wechselnde Wasserqualität und Gerüche. Auch ein aufziehendes Gewitter kann die Egel davon abhalten zu beißen. Wie eine Liebhaberin in einem Video mit zahlreichen interessanten Informationen beschreibt, sind sie auch „neugierig“ und „verkuschelt“.

Die zur Therapie verwendeten Blutegel werden eigens hierfür gezüchtet, unter naturnahen Bedingungen. Eingesetzt wird hierfür eine bestimmte Egelart – der „Hirudo medicinalis“. Leider verbietet die Gesetzeslage inzwischen, dass die Egel an den Züchter zurückgegeben und in dem so genannten Rentnerteich ihren Ruhestand genießen dürfen. Sie müssen nach dem Einsatz entweder getötet werden (im Gefrierfach oder in Alkohol), alternativ ist es aber auch möglich, dass sie zu Hause in einem Glas oder einem (gesicherten) Aquarium mit Steinen zur Häutung und eventuell Pflanzen weiter leben können.

Interesse geweckt?

Hat sich Ihr Bild von den kleinen Helfern jetzt ein wenig gewandelt? Wenn Sie noch Fragen zur Blutegeltherapie haben oder sie bei Problemen Ihres Tiers anwenden wollen, können Sie mich gern kontaktieren!

 

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